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  • MUSUBIKAN - reinforce Your body and mind

Die 5 Stufen geistiger Entwicklung

Im Budo werden 5 Stufen geistiger Entwicklung definiert.

1. Shoshin: (初心) 

Der Anfängergeist zeichnet sich durch gerichtete Aufmerksamkeit aus. Das heißt lernen durch aufmerksames beobachten.

2. Zanshin: (残心)

Der Geist im Augenblick - omnipräsent und gegenwärtig. Es ist ein Zustand ungerichteter Aufmerksamkeit, eine permanente Erfassung von allem was sich gerade ereignet.

3. Mushin: (無心)

Der reflektive Geist, der weder bewertet, noch beurteilt, ohne Ego und Emotionen, frei von Angst, Wut, Zorn, ... . Dieser Zustand wird oft auch als "mizu no kokoro" ein "Geist wie Wasser" bezeichnet. Ruhiges, unaufgewühltes, klares, reines Wasser spiegelt perfekt, was sich darauf abzeichnet. Ein Tropfen reicht, um ...

4. Fudoshin: (不動心)

Der unbewegliche Geist lässt sich durch nichts erschüttern. Er verbindet und zentriert Körper und Geist in einem Punkt und schöpft das persönliche Potential aus. Er ist in der Lage Angriffe abzuschmettern, indem er den Akt der Agression reflektiert.

5. Senshin: (先心)

Der reine, "erleuchtete" Geist ist mit allem verbunden. Er ist fähig die natürliche Harmonie  zu erzeugen und zu verbreiten. Man könnte ihn auch als Buddhageist bezeichnen.

Die 7 Tugenden eines Kriegers - der Verhaltenskodex des Bushidô

Die urprüngliche Form geht auf die Samurai, die "Ritter" des alten Japan zurück. Die Gesellschaft und Lebensweise der Menschheit hat sich seitdem ziemlich verändert. Die "Probleme" sind aber wohl die Gleichen geblieben. Das Streben nach Macht und Geld drängst moralische Grundsätze in den Hintergrund. 

1. GI () – Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit

Manchmal fällt es uns Menschen schwer die Wahrheit zu sagen, weil wir unser Gegenüber nicht verletzen wollen oder wir nicht akzeptieren wollen, dass wir einen Fehler gemacht haben. Irren ist menschlich, wer keine Fehler macht, lernt auch nicht dazu. Man könnte auch sagen: "Wer keinen Arsch in der Hose hat, neigt zum lügen!" Nur wer sein Ego im Griff hat kann, kann einen unvoreingenommenen Sinn für Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit entwickeln. "Jedem das Seine und mir das Meiste" trifft also nicht so ganz ins Schwarze. Wer aufrichtig ist, muss den Mut haben mit Konsequenzen zu leben.

2. YU () - Mut - Wagen und Ertragen

Mut ist nicht als vorschneller, kopfloser Aktionismus zu verstehen. Mut heißt klar Position zu beziehen, auch wenn es unbequem wird. Der Gefahr ins Auge zu sehen, sich zu konzentrieren und ihr furchtlos, zentriert und gelassen zu begegnen. Mut heißt all seine Energie, ohne wenn und aber abrufbar in den Augenblick zu legen, um bereit zu sein für das was auch immer kommen mag. Mut entsteht in den Tiefen unseres Selbst und breitet sich in unserem Bewußtsein aus. Mut heißt auch aufrichtig zu sich selbst zu sein, sein Ego nicht auszuleben, sondern im zu begegnen. 

3. JIN () - Güte, Mitgefühl, Menschlichkeit

Güte und Menschlichkeit entstehen, wenn wir andere nicht dafür bestrafen wie sie sind, sondern es akzeptieren. Das heißt aber nicht, dass wir unser Wertesystem dafür verraten sollen. Es bedeutet höflich Position zu beziehen, um dem anderen die Möglichkeit  zu geben sein Verhalten zu korrigieren. Menschlichkeit ist auch schwachen, aufrichtigen Menschen nicht ein Gefühl von Erhabenheit zu vermitteln, sondern ihnen auf Ihrer Ebene zu begegnen und notfalls für sie einzustehen und sie zu beschützen. 

4. REI () - Höflichkeit, Etikette

Freundlich und zuvorkommend bleiben, auch wenn Dir ein A.....och gegenüber steht. Höflichkeit ist ein Ausdruck von Achtung und Respekt. Ein Hallo, Bitte, Danke, ein Sichanbieten, ... in Japan gibt es unter anderem sehr viele Formen der Verbeugung je nachdem, wem man begegnet. Die Etikette umfasst sehr viele Verhaltensregeln, die sich bis zu den Tischmanieren durchziehen. Bei uns gibt es den Knigge und den Knigge der Moderne. Im Augenblick ankommen heißt auch anderen Menschen mit Aufmerksamkeit zu begegnen.

5. MAKOTO () oder SHIN () - Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Authentizität

Ein Mann, ein Wort. Unter den Samurai war es nicht notwendig Dinge schriftlich zu fixieren. Eine Aufforderung wurde sogar als Nötigung und Beleidigung gesehen. Ein Lüge wurde als Charakterschwäche ausgelegt, nicht als Sünde. Wie sieht es heute aus? Lassen wir das besser. Für die Wahrheit einzustehen setzt voraus, sie zu kennen. Menschen die nicht reflektieren verfallen ihrer subjektiven Wahrheit, die sich gerne auch mal zu ihrem eigenen Vorteil wandelt, ein nicht gerade ehrenhaftes Verhalten.  

6. MEIYO (名誉) - Ehre

Ehre, wem Ehre gebührt. Höflichkeit ist ein Ausdruck der Ehrerbringung. Im alten Japan wurde Ehre extrem hochgehalten. Es gab nichts schlimmeres als Schande. Beschmutzung der Ehre führte nicht selten zu einer Vergeltungsmaßnahme. Hatte sich ein Samurai schwer daneben benommen, hatte er oft nur eine Möglichkeit um seine Ehre und die seiner Familie wiederherzustellen: Sepukku, was in unseren Breiten auch als Harakiri bezeichnet wird. Wie steht es heute um die Ehre? So viel steht fest, ehrenhafte Menschen erkennt man, wenn man sie trifft. Und es ist immer wieder schön ihnen zu begegnen.

7. CHUGI (忠義) oder CHU () – Treue, Loyalität, Pflichtbewusstsein

Treue wird heute leider nicht mehr so hochgehalten. Das liegt wohl am erfolgsgesteuerten gesellschaftlichen Wandel. Der Einzelne steht im Vordergrund.  Man lebt gerne sein Ego aus und nimmt sich ungern zurück. Sich selbst treu sein wird deswegen auch oft falsch interpretiert. Aus gemeinsamem Pflichtbewusstsein entsteht Vertrauen, woraus sich wiederum Treue und Loyalität entwickelt. Treue fördert stabile Strukturen.  

Die Macht der Präsenz: das Duell des Teezeremonienmeisters

Auf einer viel belaufenen Straße stieß ein Meister der Tee-Zeremonie eines Tages mit einem schlecht gelaunten Samurai zusammen.

Der Meister entschuldigte sich sofort, doch der Samurai wollte die Entschuldigung nicht gelten lassen und forderte den Meister zum Duell. Die Tradition verlangte, dass der Meister dieses Duell annahm – ob er nun ein Schwertkämpfer war oder nicht. Die beiden vereinbarten also einen Ort, an dem das Duell stattfinden sollte.

Der Meister suchte darauf hin einen berühmten Lehrer der Schwertkunst auf. Er erklärte, was ihm widerfahren war und fragte ihn, was er tun müsse, um ehrenhaft zu sterben. Der Lehrer wunderte sich über die ungewöhnliche Frage, willigte aber ein, dem Meister zu helfen. Der Lehrer fragte den kleinen Mann, ob er irgendeine Kunst beherrsche.

"Ich bereite Tee zu", antwortete dieser. 

"Hervorragend! Dann bereiten Sie mir Tee zu", sagte der Lehrer.

Der Tee-Meister nahm sofort die entsprechenden Utensilien hervor und begann äußerst konzentriert mit der traditionellen Zeremonie der Teezubereitung.

Der Lehrer war beeindruckt von der offenkundigen Ruhe des Meisters, obwohl ihm klar sein musste, dass er in wenigen Stunden sterben würde.

"Sie wissen bereits, wie man würdevoll stirbt", sagte der Lehrer. 

"Ich brauche Ihnen nichts mehr beizubringen."

Der Tee-Meister verbeugte sich und dankte dem Lehrer der Schwertkunst. In Ruhe packte er seine Utensilien wieder ein und machte sich auf den Weg zu dem verabredeten Ort. Sein Herausforderer wartete schon voller Ungeduld. Der Tee-Meister legte seine Utensilien so vorsichtig auf den Boden, als wolle er sie in ein paar Minuten wieder aufheben. Danach verbeugte er sich respektvoll und mit größter Ruhe vor dem Samurai.

Der Meister erhob sogleich sein Schwert mit dem Ziel den Samurai zu schlagen, was auch immer passieren möge. Während er ganz konzentriert mit erhobenem Schwert dastand, sah er, wie sich die Augen des Schwertkampf-Experten weiteten. Sie spiegelten zuerst Erstaunen wider, dann Respekt und zum Schluss Angst. Der Schwertkämpfer sah auf einmal keinen kleinen Meister der Tee-Zeremonie mehr vor sich, sondern einen furchtlosen Krieger, der seine Angst vor dem Tod überwunden hatte. Dem Samurai wurde jetzt klar, dass wahrscheinlich nicht sein Gegner, sondern er sterben würde.

Nach einem kurzen Moment der Besinnung ließ er sein Schwert sinken und bat den kleinen Tee-Meister um Entschuldigung und um die Ehre, von ihm unterrichtet zu werden, denn auch er wollte lernen, seine Angst zu besiegen.